Harakiri in Fukushima

Harakiri in Fukushima

„Ich kann heute nicht erkennen, dass unsere Kernkraftwerke nicht sicher sind, sonst müsste ich ja mit meinem Amtseid sie sofort abschalten. Das wäre ja ganz –äh- fatal wenn ich erklären würde, die sind nicht sicher. Unsere Kernkraftwerke sind nach Maßgabe dessen, was wir wissen, sicher.“

Angela Merkel in der Sendung ARD-Brennpunkt, 13.03.2011

Wenn passiert, was angeblich nicht passieren kann, sagen auch abgeklärte Agenten des Systems manchmal etwas, was ihre PR-Berater gar nicht vorgesehen hatten. Angesichts einer explodierten Kraftwerkshülle, beginnender Kernschmelze in drei Atomreaktoren sowie zerstörter Reaktorhüllen (genaues wissen wohl nur der Betreiber und vielleicht die japanische Regierung), müssen neue Bilder und Formeln der Beschwichtigung, Verharmlosung und Verdummung erst ausgedacht, verbreitet und eingeübt werden. Atom-Merkel befand sich daher im Experimentierstadium und so kam es, dass die beliebte „Kanzlerin aller Deutschen“ sagte, was nicht gesagt werden durfte: Dass nämlich der Sicherheitsmaßstab für Atomkraftwerke sich daraus ableitet, dass diese nicht abgeschaltet werden sollen – denn das wäre ja – äh – ganz fatal. Sicher ist, was den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke nicht gefährdet. In Japan musste ein Regierungssprecher eingestehen, dass er sich am Vortag beim Ablesen der Strahlenbelastung verlesen hat. Das kann schon mal passieren, wenn die Strahlenbelastung um das AKW das 4.000-fache des sog. „Grenzwertes“ erreicht. Oder war es das 40.000-fache? Dass die Regierung, die eigene wie die japanische im Falle des Falles vor keiner Lüge würde zurückschrecken, um die Zukunft der Atomindustrie zu retten, musste da einigen klar geworden sein. Geigerzähler waren in Deutschland drei Tage nach Beginn der Katastrophe ausverkauft.

Nah am Menschen
„Unsere Kernkraftwerke sind nach Maßgabe dessen, was wir wissen, sicher.“ Während Merkel ihren Ausrutscher mit dieser rasch hinterher geschobenen Lüge vergessen zu machen versuchte, sprach der Vorsitzende des Hessischen Unternehmerverbandes Klartext: Die Situation in Japan sei zwar ein „menschliches Drama“, aber aus Sicht der hessischen Unternehmer sei der Verzicht auf die Wiederinbetriebnahme des AKW Biblis „der falsche Weg“. Er würde unter anderem zu einem erhöhten Strompreis führen, was nicht „im Sinne der hessischen Unternehmer“ sei. Im Sinne des „hessischen Unternehmers“ ist es dagegen, wenn für billigen Strom dann und wann mehrere tausend Menschen oder auch Millionen radioaktiv verseucht werden und an Krebs krepieren, wenn ganze Landstriche, Regionen, Städte und sogar ganze Länder auf Jahre und Jahrzehnte unbewohnbar werden. Was in der Sprache der Verdummung „Restrisiko“ heißt, ist, „nach Maßgabe dessen, was wir wissen“, nichts anderes als die Gewissheit, dass der letzte „GAU“ nicht der letzte war, dass der Weiterbetrieb dieser tödlichen Technik nichts anderes ist als die Vorbereitung des nächsten. Und dass hinter dem GAU, dem Größten Anzunehmenden Unfall, der „Super-GAU“ wartet. Nicht nur erfährt man von immer neuen, noch tödlicheren nuklearen Brennstoffen, die im Einsatz sind, es wurde auch erneut offensichtlich, wie läppisch die raffinierten Sicherheitsvorkehrungen, meterdicken Wände, automatischen Steuerungs- und Notfallsysteme angesichts der einmal in Gang gebrachten atomaren Kettenreaktion sind. Und dass diese im kapitalistischen Japan nach denselben Naturgesetzen stattfindet wie in der „sozialistischen“ Ukraine. Am Ende schütten Männer Meerwasser und Sand auf tonnenweise schmelzende Nuklearbrennstäbe. Ob es sich wirklich um heroische AKW-Techniker handelt, wie manche gerne glauben wollen, oder – wahrscheinlicher – um eine mit Drohungen und Lockungen zusammengeholte Truppe verzweifelter wie ahnungsloser Tagelöhner, sie sind das sichtbare Menschenopfer einer Produktionsweise, welche die beständige Senkung der je unmittelbaren Produktionskosten gebieterisch verlangt. „Egal wie, Hauptsache billig“. Ebenso wie ungezählte andere, die bereits verstrahlt wurden ohne es zu wissen. Nur gut, dass der japanische Premier, damit am zerstörten Reaktor weiter gearbeitet werden kann, kurzerhand die Strahlengrenzwerte nach oben „korrigierte“. Die EU folgte diesem Beispiel und verdoppelte kurzerhand die Strahlengrenzwerte für Lebensmittel… Dieses Bild sollte man sich vor Augen halten, wenn die seelenlos grinsenden Gesichter auf den Wahlplakaten wieder einmal die Drohung verkünden, man werde „nah am Menschen sein“.

Fukushima ist, anders als sich nun alle zu bekennen beeilen, kein „Tragödie“. Eine Tragödie ist es nur für diejenigen, die an die Lügen glaubten, die von nichts wissen wollten. Für diejenigen, die trotz Tschernobyl, trotz Three-Mile-Island, trotz hunderter weiterer „Störfälle“ und dutzender „beinahe-Katastrophen“ in AKWs sich einredeten und einreden ließen, „eigentlich“ könne so etwas nicht passieren. Die sich von der „Endlagersuche“ einlullen ließen, von der sorgsam aufgebauten Illusion, es werde sich irgendwo ein Plätzchen finden, an dem man tausende Tonnen radioaktiv strahlenden Müll mal eben für 10.000 – 15.000 Jahre verbuddeln könne – auf Nimmerwiedersehen. Wenn diese Menschheit nicht völlig den Verstand verliert, dann wird sie sich irgendwann eingestehen, dass ein solches Endlager kaum weniger gefährlich ist als die Atomkraftwerke, die diesen gefährlichen Müll produziert haben. Die „Asse“, eine, wie in den letzten Monaten endlich ans Licht kam, von Staat und Konzernen betriebene „wilde“ unterirdische Atommüllkippe, in der man offenbar alles versenkte, was legal nicht loszuwerden war, droht „abzusaufen“ und den ganzen strahlenden Müll unkontrollierbar zu verbreiten. Das passiert nicht nach 1000 Jahren, nicht nach 5000 Jahren „Endlagerung“, sondern nach 15.
Fukushima ist auch deswegen keine Tragödie, weil es hätte verhindert werden können – wenn man es gewollt hätte. Die Atomkraft ist zu keiner Zeit ohne Alternative gewesen, es gibt immer Alternativen. Und es ist ja nicht so, dass die tödlichen Folgen der atomaren Kettenreaktion bislang unbekannt gewesen wären. Ihre zivile Anwendung ist das Nebenprodukt des größten militärischen Forschungsprogramms der Geschichte: Dem Bau der Atombombe. Etwas von deren zerstörerischer Kraft steckt auch in jedem Atomkraftwerk. Und so war auch die atomare Katastrophe in Fukushima eine mit Ansage. 2007 warnte ein japanischer Professor der Universität von Kobe vor einer nuklearen Katastrophe in den japanischen Atomkraftwerken – ausgelöst durch ein Erdbeben.
Fukushima ist Teil einer perversen Kalkulation, einer Rechnung, in der das Leben und die Lebensgrundlagen hunderttausender Menschen nicht viel, atomare Macht und die Aussicht auf „Geschäfte“ des hessischen, bzw. japanischen Unternehmers dafür alles zählt. Fukushima hätte verhindert werden können, aber nicht innerhalb einer Gesellschaft, deren ökonomisches Überleben von der Ausbeutung der Menschen und der Zerstörung der Natur abhängt. Der Siegeszug der Kernkraftwerke von den USA bis Pakistan ist das Resultat einer Konkurrenz, in der die Verlierer mit dem Leben zu bezahlen haben und für die Gewinner gilt: „Noch so ein Sieg und wir sind verloren.“

Nicht so schlimm…
Wenn nun auf einigen Demonstrationen die Forderung erhoben wurde, die Apologeten deutscher Atomkraftwerke nach Fukushima zu schicken, damit sie endlich einmal auf der anderen Seite der Rechnung stehen, so erinnert das an die gerechten Worte Karl Kraus´, der nach dem ersten Weltkrieg wünschte, man möge endlich die obersten Kriegstreiber, welche die Menschheit zur Schlachtbank führten, zur Schlachtbank führen, damit wenigstens die Tiere sich satt essen können. Es steht zu befürchten, dass jene Aufforderung so wenig Gehör finden wird diese fand. Allein unter diesen wird man noch Vernünftige finden. Alle anderen haben das faktische Sichabfinden mit der nächsten Katastrophe bereits als Meinung unter anderen akzeptiert.
Wie viele AKW wurden nach der Tschernobyl-Katastrophe abgeschaltet? Keins. Vielleicht werden sich die deutschen AKW Betreiber einige ihrer ältesten Pannen-Reaktoren für eine weitere Laufzeitverlängerung plus einen Bonus von sagen wir 10-20 Mrd. € abkaufen lassen (wie z.B. in Baden-Württemberg, wo der AKW-Betreiber EnBW nach den Protesten gegen Stuttgart21 und schlechten Umfragen für die CDU schnell zur Hälfte an das Land verkauft wurde, wo nun eine Grün-Rote Landesregierung die z.T. maroden AKW abwickeln darf). Wahrscheinlicher aber ist, dass die Komödien „europäischer Stresstest“ und „deutsche Sicherheitsüberprüfung“, bei denen einem das Lachen im Halse stecken bleiben wird, in ein „weiter so“ münden werden, begleitet vielleicht vom Anstrich einiger AKW mit neuer Sicherheitsfarbe. Die AKW-Betreiber haben an ihrer Entschlossenheit, an dieser Technik festzuhalten, keine Sekunde Zweifel gelassen. Was ist auch zu erwarten von einem Medien- und Politikbetrieb, der die Berichterstattung über die AKW-Katastrophe in Japan nach 2 Wochen weitgehend einstellte, der bisher dafür sorgte, dass kein einziges Kernkraftwerk definitiv abgeschaltet werden musste und stattdessen weitere 20 (Rot-Grün) bis 30 Jahre (Schwarz-Gelb) mit dieser unbeherrschbaren Technik und ihren auf Jahrtausende tödlichen Abfallprodukten gesetzlich festgeschrieben wurden – mit der Option auf Verlängerung, versteht sich.
Fukushima ist der Beweis dafür, dass die kapitalistische Ökonomie schon lange den Punkt überschritten hat, ab dem „sie den Menschen offen bekriegt – nicht bloß seine Lebens-, sondern auch seine Überlebensmöglichkeiten.“ Radikal unfähig, diesen Prozess der Zerstörung der Lebensgrundlagen der Menschheit zu stoppen, muss diese Gesellschaft sich mit immer neuen Grenzwerten, Schadenskategorien und trügerischen Hoffnungen begnügen. Man beruhigt sich damit, dass es immer noch schlimmer kommen könne. Und so bemühen sich die „Experten“, jeden Tag die Hoffnung nähren, um am nächsten Tag zu verkünden, dass die gestrige Hoffnung sich leider nicht erfüllt habe, aber nun eine neue Hoffnung bestehe oder die „kritische Lage“ sich „stabilisiert“ habe, aber auch noch Schlimmeres droht, und dass, nachdem in drei Reaktoren eine vollständige oder teilweise Kernschmelze stattgefunden hat, radioaktiver Dampf „kontrolliert“ abgelassen wurde, Reaktorkernhüllen zerstört sind und das Gelände mehrfach vollständig evakuiert werden musste. Regierung und Betreiber verweigern – Tränen der Erschütterung in den Augen – auch weiterhin jede genaue Auskunft über das wahre Ausmaß der Katastrophe. Da wissen die Experten schon, dass es so schlimm wie in Tschernobyl nicht sei, da es nicht gebrannt habe. Betreiber, Politiker und Experten bemühen sich jedenfalls darin, der Weltbevölkerung zu demonstrieren, dass sie nicht den geringsten Anspruch auf dieses Wissen hat. Anscheinend ist alles, was nicht gleichbedeutend ist mit der augenblicklichen Vernichtung der ganzen Menschheit, für die Expertenvernunft „nicht so schlimm“ – da erübrigt sich dann auch jede genauere Auskunft. Dieselbe Vernunft erklärte, radioaktives Material aus Fukushima könne Europa niemals erreichen. 72 Stunden später war es an der 8000 Kilometer entfernten Westküste der USA angekommen. Weitere 5 Tage später war es überall.
Unwillig und vor allem unfähig, aus dem Wissen und der Erfahrung die angemessenen Konsequenzen zu ziehen, wird man sich auch über die aktuelle Krise damit hinwegzuhelfen versuchen, die sehr reale Gefahr, die jedes einzelne AKW überall auf der Welt an jedem einzelnen Tag bedeutet, wegzumanipulieren. Die Geschichte der Atomkraft ist eine der Vertuschung und Geheimhaltung, der statistischen Tricks, der Irreführung und Selbsttäuschung. Nur indirekt lässt sich oft ablesen, was offiziell nicht der Fall ist: In Japan waren es Meldungen wie „Fluggesellschaften fliegen Tôkiô nicht mehr an“, „Deutscher Akademischer Austauschdienst rät seinen Stipendiaten zur Ausreise“, „Frankreich fordert seine Bürger auf, Japan zu verlassen“ und „Schiffe der US-Navy zu Kursänderungen angehalten“, die zuerst das Ausmaß der Katastrophe anzeigten. In Japan sind 50 Millionen Menschen, mehr als ein Drittel der Bevölkerung, akut von tödlicher Strahlung bedroht. „Der Mensch steht für uns im Mittelpunkt“ werben die politischen Parteien. In diesem Fall im Mittelpunkt des nuklearen, regelmäßig tödlichen Großversuchs. Die Komplizenschaft von Wissenschaft, Politik und Atomkonzernen in Sachen Atomkraftwerke ist nicht bloß ökonomisch begründet, sie ergibt sich auch aus der schlichten Tatsache, dass die Offenlegung ihrer wirklichen Risiken und ihrer bereits jetzt verheerenden Folgen durchaus in der Lage ist, für mehr Widerstand der Bevölkerung zu sorgen als mit dem Weiterbetrieb der AKWs verträglich wäre. Denn in ihnen hat sich die Bedrohung der Menschheit durch sich selbst materialisiert, getrieben durch die kapitalistische Art der Produktion; sie sind die augenfällige, permanente Drohung der Selbstzerstörung.

Leben unter Vorbehalt…
Es ist eine ontologische Tatsache, dass die menschlichen Handlungen über ihr bewusst gesetztes Ziel hinaus schießen, dass sie Wirkungen haben, die nicht geplant und gewünscht waren, die nicht vorhergesehen wurden. Das gilt im Verhältnis zur Natur ebenso wie für die gesellschaftliche Praxis, für die Anwendung des Faustkeils und der Atomkraft wie für die des Gottesurteils und der Gesetzgebung. Was einen staunend machen muss an der menschlichen Anwendung der Atomkraft ist, dass sie trotz des Wissens, wider besseren Wissens stattfindet. Die bestehende Einrichtung der Gesellschaft erzeugt offenbar Absichten und Rücksichten, die dem Leben und Überleben der Menschheit feindlich gegenüberstehen. Und sie stattet diese Interessen mit der Macht aus, sich durchzusetzen. Wenn die Bürgermeistern des AKW-Dorfs Biblis, ebenso wie die Mehrheit ihrer Wähler, auch nach Tschernobyl und Fukushima an den beiden AKW-Blöcken vor der Haustür nichts auszusetzen hat, so liegt das sicher nicht an mangelnder Intelligenz. Es ist eine gesellschaftliche Verdummung, die sich dort einstellt, wo die eigene Existenz durch Schlimmeres bedroht ist. Die Feindschaft gegenüber der Atomkraft nimmt in der Regel zu mit der Distanz zum unmittelbaren ökonomischen Vorteil. Diejenigen, die nur den Müll, nicht aber die atomare Dividende zu sehen bekommen, bleiben leichter bei Verstand. Wie ist es auch anders vorstellbar in einer Gesellschaft, in der ein Mensch seine Existenz „gründen“ muss, lange nachdem er geboren wurde. Das Leben, dessen man sich sicher glaubte, ist, so erfährt, wer als Ware Arbeitskraft oder sogenannter Selbständiger dem Markt ausgeliefert ist, eines unter Vorbehalt.
Der lebenslange Konkurrenzkampf in Produktion und Konsumtion, dem man in dieser Gesellschaft ausgesetzt ist, die täglich hinunter gewürgte Angst, durch Krankheit, einen falschen Schritt, dummen Zufall oder einfach eine mangelnde Fähigkeit zur Unterwerfung gewaltsam von den Mitteln zur Befriedigung seiner Bedürfnisse, von den realen Möglichkeiten zur Verwirklichung seiner Wünsche und Talente abgeschnitten zu werden, macht gleichgültig gegen das Schicksal anderer wie gegen die Folgen des eigenen Tuns. Die von dieser Gesellschaft hervorgebrachte herrschende Gestalt der Vernunft entspricht dieser Lage. Die in mannigfache unversöhnliche Interessengruppen, dutzende private und öffentliche Sphären, von einer je partikularen Vernunft verwaltet, reflektiert diese Trennungen in ihrer Gesamtheit als radikale Unvernunft, voll des Mangels an Vorstellungskraft und Wirklichkeitssinn. Sie weiß die einfachsten Fragen der Menschheit nicht zu beantworten. Es ist eine Vernunft, die gebietet, dass Menschen Lebensmittel im Massenmaßstab vernichten, während andere auf Müllkippen nach Essbarem suchen müssen. Eine Vernunft, die verlangt, täglich eingepfercht in 2 Tonnen Metall und Kunststoff im Stau zu stehen und sich gegenseitig mit Abgasen zu vergiften. Eine Vernunft, welche den Unterschied zwischen Regierung und Opposition auf 8 € monatlich zusammenschrumpfen ließ. Einer Vernunft die suggeriert, das alles könne einzig durch den Konsum der richtigen Waren, vom „Bio-Ei“ bis zum „Ökostrom“, von der „Wellnessmassage“ bis zum „Navi“, gelöst werden.

Gesetzt, wir hätten als Menschen produziert…
Ihr eigener Lebensprozess erscheint den Menschen als unkontrollierbarer, blindwütiger Zusammenhang. Und das ist er, solange sie nicht als Menschen produzieren. Solange die Produzenten von den Produktionsmitteln getrennt sind, solange die Menschen in Produzenten und Konsumenten getrennt sind, in Staatsbürger und Privatisierte, in vereinzelte Einzelne und in das bloße Material der Statistik. Denn die Wirklichkeit kennt diese Trennungen nicht, sie durchkreuzt die Pläne der partikularen Vernunft und wirft sie über den Haufen. Kontrollierbar wäre die Produktion des Ganzen allein von ganzen Menschen, von einem Verein freier Individuen, welche nicht in Konkurrenz, sondern nach gemeinsamem Plan, nach allgemeiner Vernunft, unter Berücksichtigung der Gesamtheit ihrer Bedürfnisse produzierte. Und allein solche Menschen könnten Freie genannt werden. Der bekannte Satz von Marx, wonach das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein bestimme und nicht umgekehrt, verwies nicht bloß auf ein Faktum, darauf, dass Bewusstsein ohne Sein unmöglich sei, sondern beinhaltete zugleich eine Kritik an allen Gesellschaften, in denen das Bewusstsein durch das Sein verkrüppelt wird, anstatt es zu leiten, an einer Menschheit, die hinter dem zurückbleibt, was sie sein könnte. Die communistische Revolution sei demnach nicht nur die erste Revolution in der Geschichte, die im vollem Bewusstsein ihrer Ziele und Voraussetzungen vollbracht werden muss, sondern auch die Erfindung eines Produktions- und Reproduktionsprozess, der endlich unter bewusster und demokratischer Kontrolle stünde. Erst diese Gesellschaft vermöchte über alle Aspekte der Produktion – von der angewandten Technologie bis hin zu den Arbeitszeiten und Bedingungen – nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden. Jede andere Gesellschaft muss an der Diktatur der Ökonomie, sei es dem Diktat des Profits, sei es der beschränkten Entwicklung der Produktivkräfte und der ihr entsprechenden Ohnmacht gegenüber der Natur, beherrscht werden. Da die Diktatur des Kapitals mit der Bewohnbarkeit der Erde das Überleben der Menschheit zunehmend in Frage stellt, scheidet diese sich in zwei Lager – das eine will, dass die Menschheit überlebt, dass andere hält unbeirrbar an dem Weg fest, der in ihre Selbstzerstörung enden kann. Die offiziell in 193 Länder zerfallene Erde ist derzeit von 210 Kernkraftwerken mit 442 Reaktorblöcken in 30 Ländern bedeckt. In den 57 Jahren der Nutzung der Kernenergie hat es offiziell über 30 schwere Unfälle gegeben. Das, was in der manipulierten Sprache als GAU bzw. Super-GAU bezeichnet wird, ereignete sich bisher, Fukushima eingeschlossen, viermal. Im Durchschnitt: alle 15 Jahre. Es muss jedem klar sein, dass die Apologeten der jetzt existierenden zerstörerischen Produktionsweise, speziell der Kernkraft, Vabanque spielen mit dem Leben von zehntausenden, eventuell gar hunderttausenden oder Millionen Menschen. Jeder muss sich für eine Seite entscheiden.

„Go back to Auschwitz“

Eine Antwort der „Friedensflotte“ an die israelische Marine:

http://www.youtube.com/watch?v=pxY7Q7CvQPQ&feature=player_embedded

Einige interessante Links zum Anlass der aktuellen antisemitischen
Proteste:

Ein Schiff wird kommen

Aufgebrachte Narrenschiffe

Überfall in internationalen Gewässern?

Video bei Youtube

Lizas Welt bei Twitter

Vom Protest zum Widerstand – Von der Tragödie zur Farce

Der Frankfurter Flughafen wird ausgebaut, im Norden bei Kelsterbach wird Wald für eine weitere Landebahn gerodet, im Süden bei Walldorf werden nach dem bereits 2007 erfolgten Bau der A380-Halle neue Frachtflächen betoniert, wenig später ein riesiges drittes Terminal entstehen. Die Ausbaugegner geben Durchhalteparolen aus, dabei ist die Niederlage der Bürgerinitiativen und Anliegergemeinden absehbar total, nennenswerte Rücksichten auf andere als unmittelbar ökonomische Interessen haben weder die Planungsbehörden noch die Landesregierung, weder Fraport noch die Gerichte genommen. Der rechte Flügel der Bürgerinitiativen war nach dem Ende der juristischen Auseinandersetzungen kleinlaut geworden, wenn er auch nicht aufhörte, sich im Recht zu fühlen. Mit der Zahl der Instanzen wächst die Narrenfreiheit. Da das europäische Recht noch weniger bekannt ist als das deutsche, lässt sich umso besser von seinen wohltuenden Wirkungen träumen. Der linke Flügel bemühte sich unterdessen, seine Agitation zu radikalisieren, redete immer häufiger von Profit, Kapitalismus oder der totalen Verwertung. In blanker Panik griff man nach allem, was zur Hand war. Doch der Inhalt ging nach wie vor nicht über die Phrase hinaus. So wenig sie den Gegenstand trifft, so wenig erfolgreich ist die durch sie geleitete Praxis. Der Vorteil der auf diese Weise und durch den Polizeirummel wie Fliegen vom Licht Angelockten bestand darin, von gar nichts eine Ahnung gehabt zu haben. Sie landeten ohne Umwege bei den dümmsten populistischen Phrasen vom Wort- und Rechtsbruch durch Koch und Fraport und brachten ihre radikalen Fibelweisheiten unter die im Matsch hockenden Gitarren- und Tamburinspieler.
Sie ist total auch deshalb, weil sie die Vernichtung der Bewegung gegen die Startbahn 18 West besiegelt, zu deren Inhalten und Resultaten sie niemals ein kritisches Verhältnis einzunehmen verstanden. Zwischen Scylla und Charybdis, Dämonisierung und besinnungsloser Identifikation führte kein Weg hindurch. Anhand des Flughafenausbaus wird beeindruckend demonstriert, was Diktatur des Kapitals bedeutet, aber auch, dass Schläge auf den Kopf eben nicht die Einsichtsfähigkeit fördern, sondern höchstens den Blutdruck. Was zwischen 1977 und 1982 als Tragödie sich abspielte, wiederholte sich 2008 als Farce. Der Citoyen trat erneut dem Citoyen in Uniform, der Bourgeois dem Bourgeois in Nadelstreifen, die „Menschen der Region“ ihren eigenen, organisierten und von ihnen getrennten Gestalten gegenüber: Der ökonomischen und politischen Gewalt. Was aber damals als Naivität und berechtigte Illusion passieren konnte, ist heute vorsätzliche Realitätsverweigerung, was Mut und Aufrichtigkeit war, ist Verstocktheit und Verweigerung gedanklicher Reflexion geworden. Was den Linken unter den Bürgerinitiativen vorzuwerfen ist, ist nicht die erneute Niederlage, es ist die Tatsache, dass sie sich in keinem Augenblick darüber Rechenschaft ablegten, was ihre Aufgabe und was ihre Möglichkeiten waren. Dass sie mit 30 Jahren Widerstand gegen den Flughafenausbau, 30 Jahren Niederlage nicht mehr anzufangen wussten als weiter so. Da will isch am liebste glei wieder raus in de Wald, wenn isch des hör, dröhnte es 1999 auf einer Veranstaltung Frankfurter Autonomer zum Ausbauprojekt, in Gedanken bauten BI-ler schon wieder Hüttendörfer, wurde alte Unterstützer wieder ausgegraben: lebt denn der Udo Lindenberg noch? Während also die Linken das Wiederaufleben vergangener Tage herbeiträumten, der besten Tage ihres zunehmend überflüssigen Daseins, versteifte der rechte Flügel sich von Beginn an auf die Sackgasse der juristischen Auseinandersetzung, schuldig gewordene Romantik und Philistertum. Sie gefielen sich in Bilderproduktion, aktionistischem Budenzauber und Nadelstichaktionen, die gängige mediale Manipulationspraxis auf niedrigem Niveau bewusstlos nachahmend, die Menschen zur Manövriermasse machend und auf diese Weise bestätigend, dass man mehr als ein Schatten der Bewegung gegen die Startbahn 18West nicht zu sein wusste, in kleinbürgerlicher Kraftmeierei andererseits engagierte er „die besten Anwälte“, Gestalten, deren Denk- und Aktionsradius über die juristische Ideologie, bzw. den Gerichtsaal nicht hinausgeht und für deren große Auftritte Gerichte und Planungsbehörenden eigene Tagesordnungspunkte zu führen pflegen – TOP 2: Dampf ablassen. Gemeinsam produzierte und attestierte man die Entmündigung der vielen. Wer in die Gesichter sah, welche die ebenso eitlen wie wirkungslosen Auftritte dieser Stars begleiteten, der mag begreifen, wie weit der Weg aus dieser Entfremdung ist, deren vorerst letztes Produkt der Protestautomat ist, ein Computerprogramm, entsprungen den Träumen eines Rechtsanwalts, das Einwendungen gegen Großprojekte per Knopfdruck erstellt. Wie praktisch. (mehr…)

Neue Kategorie: Die hessische Ramschkiste

Kommentar zum Frankfurter Polit-Leichenumzug am 14. Januar

Zum besseren Verständnis: Alle eingerückten und kursiv gedruckten Stellen sind dem Aufruf der „autonomen antifa (f)“
entnommen. Der nicht eingerückte Text ist der Kommentar des „Freundeskreis Weltcommunismus“.

Alles muss man selber machen:
Sozialen Fortschritt erkämpfen – für den Kommunismus!

Die Forderung nach dem Absoluten, über das man absolut nichts zu sagen weiß. Der Kommunismus hierin als äußerliches Ding gesetzt, dem man beistimmt, zujubelt etc., und zwar selber. So tritt die Sehnsucht nach dem Kommunismus als Sehnsucht nach dem kommunistischen Staat hervor, der auch das noch für sie macht. Wo alle für den Kommunismus sind, ist niemand Kommunist. Sozialer Fortschritt ist die geniale Phrase derjenigen, die keine Ahnung haben, worin dieser bestehen könnte. Der Vorteil: Es ist schwer, jemanden aufzutreiben, der sich dem sozialen Fortschritt verweigern möchte – und schon ist ein grandioser Sieg errungen.

Aufruf der autonomen antifa[f]
 
„Die Zukunft kommt von allein, der Fortschritt nicht.“ (Lukács) 
Für den 14. Januar ruft ein breites Bündnis linker Gruppen und Initiativen in Frankfurt/Main zur einer Demo unter dem Motto „Alles muss man selber machen: sozialen Fortschritt erkämpfen“ auf. Vier Tage vor den hessischen Landtagswahlen wollen wir damit ein klares Signal setzen: Weder sind wir den gesellschaftlichen Entwicklungen ohnmächtig ausgeliefert, noch reicht es, alle Jubeljahre zur Wahl zu gehen in der Hoffnung, „die da oben“ mögen es schon richten. Ganz im Gegenteil musste bisher noch jeder soziale Fortschritt von einer außerparlamentarischen Linken erkämpft werden.

Es reicht nicht heißt: Geht zur Wahl, begleitet aber das parlamentarische Gewese mit Protesten. Diese sorgen dann dafür, dass der „soziale Fortschritt“ vom Parlament beschlossen wird. Mitmachtheater wie in der Rocky Horror Picture Show, wo das debile Publikum auf´s Stichwort Sachen auf die Bühne wirft und krakeelt. Wo noch drückt der Schuh? Die Wahl findet alle Jubeljahre statt, also zu selten. Eine Kritik des Parlamentarismus, die wirklich wieder mal auf´s Ganze geht.

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Israel

„Überall führt der Weg zum Communismus über einen
Angriffs- und Verteidigungspakt mit der Wahrheit.“

Aus aktuellem Anlass und angesichts der dumm-dreisten bis wahnhaften
Lügen über die israelische Militäroffensive in Gaza folgender Link:

www.hagalil.com

Wir sind uns bewusst, dass nur der kleinste Teil der „Friedens“freunde
sich durch Argumente von seiner antisemitischen Alltagsreligion abbringen lassen wird.

Opium für’s Volk

dazu verkommt Marx bei der Rechten wie Linken, wehren kann er sich ja nicht mehr. Der kleine Unterschied ist einer ums Ganze, der zwischen historisch-materialistischer Wissenschaft und Weltverschwörung. Alle Kritik beginne mit der Kritik der Religion, so Marx, weil erst damit der lebendige, tätige, irdische Mensch zum Gegenstand der Kritik werde. An die Stelle der Spekulationen über phantastisch-sinnlose Gestalten – Götter – sollte die Analyse ihres weltlichen Entstehungsprozesses treten. Die Kritik der Religion war mit Feuerbach daher nicht erledigt. Ihre theoretische Vollendung wurde erst möglich, nachdem Marx das himmlische Leben nicht nur als Produkt des weltlichen, sondern dieses zugleich als zerrissenes, widersprüchliches und daher des himmlischen Beistands bedürftiges erkannte: Diese [die weltliche Grundlage] selbst muß also in sich selbst sowohl in ihrem Widerspruch verstanden als praktisch revolutioniert werden.
Der Pfaffe wird überall da gerne gesehen, wo Menschen schwach sind. An den Rändern des Daseins, wo Elend und kein Wissen ist, wird Glauben sein. Seit jeher bestimmt sich Religion negativ als der Bereich, wo nicht mehr gewusst wird. Sie ist ein Anhängsel des Wissens. Dass, anders als vielfach vorhergesagt, die Menschen von Religion sich nicht befreit haben, stattdessen Religionsfreiheit verteidigen, liegt an den keineswegs durchsichtiger und menschenfreundlicher gewordenen Verhältnissen. Im Gegenteil. Die gewachsene Macht der Gesellschaft über die Natur ist erkauft mit der Ohnmacht des Einzelnen und der vollständigen Unterwerfung unter das Kapital.
Die existenziellen Ängste sind nicht beseitigt: Die vor der eigenen Vernichtung durch das Kollektiv, Folter, Krankheit, Ausschluss, Obdachlosigkeit, Hunger. Die bürgerliche Gesellschaft ist die unübersichtlichste Veranstaltung, die die Menschheit je zu Stande gebracht hat. Sie ist nicht nach einem Plan, sondern naturwüchsig, chaotisch, entstanden, wenn auch (im Rückblick) nicht zufällig. Ihre Ökonomie funktioniert bis heute nach Gesetzmäßigkeiten, die sich unabhängig vom Wissen und Wollen der Menschen durchsetzen, die niemand zu kennen braucht und die in der Tat, bis Marx, auch der Wissenschaft verborgen blieben. Um z. B. Geld zu brauchen, musste man nicht wissen, was Geld ist. Mehr noch. Die kapitalistischen Produktionsverhältnisse sorgen dafür, dass ihr Wesen ganz verkehrt erscheint. So heißt es im ersten Band des „Kapital“: Diese imaginären Ausdrücke entspringen jedoch aus den Produktionsverhältnissen selbst. Sie sind Kategorien für Erscheinungsformen wesentlicher Verhältnisse. Daß in der Erscheinung die Dinge sich oft verkehrt darstellen, ist ziemlich in allen Wissenschaften bekannt, außer in der politischen Ökonomie. Wenn Wesen und Erscheinung zusammenfielen, so Marx an anderer Stelle, wozu dann Wissenschaft? Der Augenschein ist der Grund der meisten schier unausrottbaren Irrtümer: Die Sonne drehe sich um die Erde, die Erde sei eine Scheibe, Ratten übertrügen die Pest. Es bedurfte der Wissenschaft, um das Gegenteil und damit das wirkliche Verhältnis zu enthüllen. Zu den Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Produktionsweise gehört das Anwachsen des gesellschaftlichen Reichtums auf dem einen, das Anwachsen von Ohnmacht, Unwissenheit, Armut und Brutalität auf dem anderen Pol. Das sieht man. Warum das so ist, sieht man nicht. Darum sind die Scheinlösungen des Problems, von Nächsten- und Vaterlandsliebe, über Grundgesetz und Grönemeyer, bis Papst und Pups, nicht totzukriegen. Statt über den Grund für das permanente Scheitern nachzudenken, reiht man Gestaltungsvorschlag an Reformidee und veranstaltet Protestlindwürmer (ver.di) bis der Notarzt kommt. Sie haben nichts verstanden. In Sachen politischer Ökonomie regrediert die Menschheit auf eine längst überschrittene Stufe, der Rückkehr der Kosmologie zum Ptolemäischen Weltbild vergleichbar. Das ganze Spektrum der modernen Philosophie, ökonomischen und politischen Theorie etc., bildet sich aus hunderten kläglichen Versuchen, die immer selbe Frage zu beantworten: Wie lassen sich die auf der Oberfläche der bürgerlichen Gesellschaft chaotisch erscheinenden Phänomene in einen systematischen Zusammenhang setzen? Das Scheitern dieser Versuche lässt sich meist daran erkennen, dass Zusammenhänge zwischen verschiedenen Phänomenen erschlichen werden. An einem Punkt der Theorie wird die begründete Entwicklung unterbrochen und unvermittelt, durch Analogie, Kurzschluss oder sprachliche Tricks, ein Phänomen eingeschmuggelt, dessen Notwendigkeit aus dem bisher gegebenen gar nicht ersichtlich ist. Verpasst man diesen Ausgang, dann bleibt man leicht in dem flott weitergesponnenen Garn dieser „Esos“ hängen. Hier sammelt sich alles Unappetitliche und von der Geschichte bereits ausgeschiedene: Antisemiten, Faschisten, Pfaffen, Speichellecker aller Art, Demokraten, Ökonomie-Doktoren, schließlich auch Sozialisten und Verschwörungstheoretiker. Sie tun sich groß mit dem Verbreiten ihrer eigenen Unwissenheit, dünken sich dabei allesamt kritisch, ohne jemals wenigstens die einfachsten ökonomischen Verhältnisse zu begreifen. In vieler Hinsicht sind sie untereinander kompatibel. Opium für´s Volk (Von den Toten Hosen über die Böhsen Onkelz bis hin zu DKPlern), so lautet die älteste Kritik an Religion, welche damit zu einer Verschwörung der Priesterkaste wird. Sie ist die erste Verschwörungstheorie und zugleich selbst eine moderne Religion. In ihr dreht sich alles um den großen Unbekannten, der irgendwo im Verborgenen sein Unwesen treibe. Sie ist der Opiumersatz des Atheisten, weil sie von eigener Verantwortung entlastet (das Kapital lenkte, Hitler log), von anstrengender Denkarbeit enthebt und in die Wärme einer eingeweihten Gemeinschaft führt. Religion ist das Opium des Volks – mit Marx beginnt die Kritik auch der Verschwörungstheorie.
Der Verschwörungstheoretiker drängt sich zusammen mit dem Paffen überall dort hinein, wo sich rationale Erklärungen nicht (oder nicht sofort) finden lassen oder schwer zu akzeptieren sind. Er beutet das subjektive Bedürfnis nach Schuldzuweisung und Bestätigung der eigenen Vorurteile aus. Aber er drängt nicht nur, er wird auch sehnsüchtig erwartet. Der kleine Mann (DKP), zu dem auch Sozialisten heute das Proletariat machen, wird zum bloßen Objekt der Geschichte herabgesetzt, um sich zugleich als dessen mitfühlender Anwalt und Fürsprecher anzubieten. Der Guru und Die Partei sind nur zwei Gestalten ein und derselben Sache. Als willenlose Drohkulisse („Druck von der Straße“) missbraucht, ist der nochmals zum Objekt herabgesetzte Anhänger, trällernd – brüllend – Bratwurst essend, Teil der Verhandlungsmasse, mit der „unsere Leute“ in den Parlamenten an die Regierung kommen wollen. Die Leute sollen „Dampf ablassen“ – um dann brav nach Hause zu gehen. Den Rest sollen sie die Spezialisten der höheren Ebene machen lassen – so wie sie es von der Arbeit gewohnt sind. Es reproduziert sich die alte, urbürgerliche Trennung in Führende und Geführte, die stets in erneuerte Herrschaft über die Massen mündet. Die Veränderung der Verhältnisse kann nur die revolutionäre Selbstveränderung, die revolutionäre Aktion der Massen selbst sein: Die materialistische Lehre von der Veränderung der Umstände und der Erziehung vergißt, daß die Umstände von den Menschen verändert und der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie muß daher die Gesellschaft in zwei Teile – von denen der eine über ihr erhaben ist – sondieren. Das Zusammenfallen des Ändern[s] der Umstände und der menschlichen Tätigkeit oder Selbstveränderung kann nur als revolutionäre Praxis gefaßt und rationell verstanden werden. Die Trennung in reine Subjekte und bloße Objekte ist das Wesen auch der Verschwörungstheorie. Die einen ziehen die Strippen, an denen die anderen wie Marionetten hängen. Sie arbeitet wie alle Glaubensgemeinschaften mit exklusivem Zugang zu „Wissen“ (Flatrate nach oben) sowie dem an sich Bösen und dem an sich Guten (Teufel, Bush, CIA – Jesus, Münte, Germany). Auffällig ist, dass die Verschwörungen meist auf nationalistische und antisemitische Stereotype zurückgreifen, d. h. auf den gefährlichsten und am weitesten verbreiteten Denkmüll. Dazu passt, dass auch die Filmindustrie für ihre Gesellschafts- und Polit-Thriller keinen Ansatz mehr ausbeutet als diesen. Verschwörung ist kein Geheimtipp, sondern ein Blockbuster.

Den ganzen Text hier als pdf herunterladen:
Sag Nein zu Drogen!

13 years left.

13 years left.

Straight to the point

Die UNO gibt der Menschheit noch 13 Jahre Zeit, um eine Klimakatastrophe abzuwenden. Let´s come straight to the point: Wenn der Kapitalismus bleibt, dann wird das Klima an den Arsch gehen, was immer auch sonst noch passieren mag. Es ist hier nicht der Ort, die Funktionsweise des Kapitalismus in allen Details wissenschaftlich darzulegen. Es können nur die wesentlichen Konsequenzen und Zusammenhänge in Bezug auf die Ökologie dargestellt werden und anhand einiger bekannter Tatsachen erläutert werden. Allen Interessierten ist unbedingt die Lektüre von Karl Marx empfohlen.
Mancher wird in diesem Text über Ausdrücke und Begriffe stolpern, die ihm nicht passen. Jeder sollte sich aber überlegen, was ihm wichtiger ist: Ein paar unpopuläre Worte, oder die katastrophalen Tatsachen dieser Welt. Allen, die ohnehin nur nach Gründen suchen, um so weiter zu machen wie bisher, wünschen wir viel Spaß beim nächsten Film.
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Geht das Öko-Kamel durchs Nadelöhr?

Oder: Capitalism is the real slim shady.

„93 Prozent aller Deutschen halten den Umweltschutz für wichtig“ (Spiegel 12/2006), Bundeskanzlerin Angela Merkel den Klimawandel gar für „eine der größten Menschheitsherausforderungen“. Die BILD-Zeitung titelt „Unser Planet stirbt!“ und fragt „Fliegt uns die Welt um die Ohren?“. Und Heinz-Peter Becker (Mörfelden) kündigt die Gründung eines lokalen Klimabündnisses an. Man sieht: Überall guter Wille, aber nirgends gute Nachrichten. Warum trotz lauter Experten, Politikern, Managern, Kreativen, Aktiven und Promis für den guten Zweck nur Pleiten, Pech und Pannen? Zur Beantwortung der Frage muss man wohl nach anderen Faktoren als dem mangelnden Wissen oder Willen der Handelnden Ausschau halten.

Das Nadelöhr der Verwertung
Die globale Produktionsweise ist die kapitalistische Warenproduktion, Privatproduktion für den Markt und daher ungeplant. Die grundlegende Bedingung dieser Produktionsweise ist die Mehrwertproduktion (aus Geld mittels Lohnarbeit mehr Geld machen), die Folgen sind bekannt: Produziert wird so viel und so billig wie möglich, wer und was nicht verwertet werden kann, ist nichts wert. Wer Lohnarbeiter ist, wird ausgepresst wie eine Zitrone, oder landet auf dem Hartz IV- Müll. Nichts und niemand anderes als der Profit bestimmt also in letzter Instanz darüber, wer was wie produziert. Die Entscheidungen des Managements sind nur Entscheidungen darüber, wie man den Zwängen der Konkurrenz am besten gerecht wird. Sie können das Prinzip nicht in Frage stellen, ohne aufzuhören Manager des Kapitals zu sein. Dem Weltproletariat stellt sich dieses Verhältnis von anderer Seite dar, da ihm diese „Entscheidungen“ nicht nur fremd, sondern in wachsendem Maße feindlich sind. Solange es aber an seinem Dasein als Lohnarbeiter festhält, verhilft es dieser Feindlichkeit zur Macht, oder: Die Lohnarbeiter schlagen sich damit auf einem Umweg selbst in die Fresse. Wie der König nur König ist, weil die Untertanen sich zu ihm als König verhalten, so ist das Kapital nur Kapital, weil der Lohnarbeiter sich zu den Produktionsmitteln als fremden Produktionsmitteln, als Kapital, verhält. Es ist die weltweite Klasse derer, die alles produzieren und über nichts entscheiden. Den größten Teil ihres bewussten Lebens verbringen sie damit, Entscheidungen anderer auszuführen.
Die Hoffungen dieser Gesellschaft richten sich nun darauf, die ökologischen Verwüstungen der Kapitalakkumulation durch die Entwicklung der Technik aufhalten zu können. Merkel peilt 7% „Biokraftstoffbeimischungen“ in naher Zukunft an. Man braucht wenigstens 7 Promille um nicht zu peilen, dass das weder klappt noch irgendwie ausreichen würde. Ein Wachstum der kapitalistischen Weltökonomie um 5 % jährlich sorgt für eine Verdoppelung der Produktion alle 14 Jahre. Die tatsächliche Entwicklung beweist jedes Jahr aufs Neue, dass die Technik die aus dem Zwang zur größtmöglichen Ausweitung der Produktion hervorgehenden Zerstörungen von Mensch und Natur eben nicht kompensieren kann. Auf die technische „Kompensation“ zu hoffen, heißt darauf hoffen, dass das Öko-Kamel eines Tages ohne Schaden durchs Nadelöhr geht. Alles, was kapitalistisch produziert wird, muss durch das Nadelöhr der Verwertung hindurch – oder es wird nicht produziert. Das gilt auch für „Bio-Technologie“ und „Bio-Arbeitsplätze“. Naturzerstörung ist ein Mittel in der Konkurrenz um die geringsten Produktionskosten. Und wer in der Konkurrenz nicht mithält, der kommt darin bloß noch schneller um als die anderen. Dieses Nadelöhr ist der Grund dafür, dass die kapitalistische Gesellschaft nicht nur alte Barbareien überwindet, sondern zugleich immer neue Verstümmelungen, Deformationen und Zerstörungen produziert. Der Utopie vom ökologischen Kapitalismus ergeht es wie der vom sozial gerechten Kapitalismus ohne Arbeitslosigkeit. Trotz aller ehrlichen Anstrengungen und Appelle, trotz der 10 Gebote und unzähligen Gebeten begleitet sie den Kapitalismus wie der Schatten den Sonnenschein. Sie wächst unaufhaltsam mit seinem Wachstum, seiner – seit 1989 – weltweiten Ausbreitung und der Durchdringung von vorübergehend nichtkapitalistischen Bereichen. Unterbrochen wird die Massenarbeitslosigkeit nur in Folge der großen Menschen- und Produktionsmittelvernichtungen der (Welt-) Kriege. High noon ist nur einmal am Tag – und nicht gut für die Gesundheit. (mehr…)