Geht das Öko-Kamel durchs Nadelöhr?

Oder: Capitalism is the real slim shady.

„93 Prozent aller Deutschen halten den Umweltschutz für wichtig“ (Spiegel 12/2006), Bundeskanzlerin Angela Merkel den Klimawandel gar für „eine der größten Menschheitsherausforderungen“. Die BILD-Zeitung titelt „Unser Planet stirbt!“ und fragt „Fliegt uns die Welt um die Ohren?“. Und Heinz-Peter Becker (Mörfelden) kündigt die Gründung eines lokalen Klimabündnisses an. Man sieht: Überall guter Wille, aber nirgends gute Nachrichten. Warum trotz lauter Experten, Politikern, Managern, Kreativen, Aktiven und Promis für den guten Zweck nur Pleiten, Pech und Pannen? Zur Beantwortung der Frage muss man wohl nach anderen Faktoren als dem mangelnden Wissen oder Willen der Handelnden Ausschau halten.

Das Nadelöhr der Verwertung
Die globale Produktionsweise ist die kapitalistische Warenproduktion, Privatproduktion für den Markt und daher ungeplant. Die grundlegende Bedingung dieser Produktionsweise ist die Mehrwertproduktion (aus Geld mittels Lohnarbeit mehr Geld machen), die Folgen sind bekannt: Produziert wird so viel und so billig wie möglich, wer und was nicht verwertet werden kann, ist nichts wert. Wer Lohnarbeiter ist, wird ausgepresst wie eine Zitrone, oder landet auf dem Hartz IV- Müll. Nichts und niemand anderes als der Profit bestimmt also in letzter Instanz darüber, wer was wie produziert. Die Entscheidungen des Managements sind nur Entscheidungen darüber, wie man den Zwängen der Konkurrenz am besten gerecht wird. Sie können das Prinzip nicht in Frage stellen, ohne aufzuhören Manager des Kapitals zu sein. Dem Weltproletariat stellt sich dieses Verhältnis von anderer Seite dar, da ihm diese „Entscheidungen“ nicht nur fremd, sondern in wachsendem Maße feindlich sind. Solange es aber an seinem Dasein als Lohnarbeiter festhält, verhilft es dieser Feindlichkeit zur Macht, oder: Die Lohnarbeiter schlagen sich damit auf einem Umweg selbst in die Fresse. Wie der König nur König ist, weil die Untertanen sich zu ihm als König verhalten, so ist das Kapital nur Kapital, weil der Lohnarbeiter sich zu den Produktionsmitteln als fremden Produktionsmitteln, als Kapital, verhält. Es ist die weltweite Klasse derer, die alles produzieren und über nichts entscheiden. Den größten Teil ihres bewussten Lebens verbringen sie damit, Entscheidungen anderer auszuführen.
Die Hoffungen dieser Gesellschaft richten sich nun darauf, die ökologischen Verwüstungen der Kapitalakkumulation durch die Entwicklung der Technik aufhalten zu können. Merkel peilt 7% „Biokraftstoffbeimischungen“ in naher Zukunft an. Man braucht wenigstens 7 Promille um nicht zu peilen, dass das weder klappt noch irgendwie ausreichen würde. Ein Wachstum der kapitalistischen Weltökonomie um 5 % jährlich sorgt für eine Verdoppelung der Produktion alle 14 Jahre. Die tatsächliche Entwicklung beweist jedes Jahr aufs Neue, dass die Technik die aus dem Zwang zur größtmöglichen Ausweitung der Produktion hervorgehenden Zerstörungen von Mensch und Natur eben nicht kompensieren kann. Auf die technische „Kompensation“ zu hoffen, heißt darauf hoffen, dass das Öko-Kamel eines Tages ohne Schaden durchs Nadelöhr geht. Alles, was kapitalistisch produziert wird, muss durch das Nadelöhr der Verwertung hindurch – oder es wird nicht produziert. Das gilt auch für „Bio-Technologie“ und „Bio-Arbeitsplätze“. Naturzerstörung ist ein Mittel in der Konkurrenz um die geringsten Produktionskosten. Und wer in der Konkurrenz nicht mithält, der kommt darin bloß noch schneller um als die anderen. Dieses Nadelöhr ist der Grund dafür, dass die kapitalistische Gesellschaft nicht nur alte Barbareien überwindet, sondern zugleich immer neue Verstümmelungen, Deformationen und Zerstörungen produziert. Der Utopie vom ökologischen Kapitalismus ergeht es wie der vom sozial gerechten Kapitalismus ohne Arbeitslosigkeit. Trotz aller ehrlichen Anstrengungen und Appelle, trotz der 10 Gebote und unzähligen Gebeten begleitet sie den Kapitalismus wie der Schatten den Sonnenschein. Sie wächst unaufhaltsam mit seinem Wachstum, seiner – seit 1989 – weltweiten Ausbreitung und der Durchdringung von vorübergehend nichtkapitalistischen Bereichen. Unterbrochen wird die Massenarbeitslosigkeit nur in Folge der großen Menschen- und Produktionsmittelvernichtungen der (Welt-) Kriege. High noon ist nur einmal am Tag – und nicht gut für die Gesundheit.

Wer will, was auf den Tisch kommt?
Die Konkurrenz, der Zwang zu Diversifizierung und Verwohlfeilerung der Waren bei gleichzeitiger Erhöhung des Umsatzes macht die Manipulation der Konsumenten für das einzelne Kapital lebensnotwendig. Der Werbeindustrie fällt die regressive wie progressive Arbeit zu, den Umkreis der Bedürfnisse für die stets wachsende Menge der Produkte der Industrie auszudehnen. Mit Hilfe aller im Menschen wie er gerade ist sich regenden Bedürfnisse, Triebe und Ängste, von sexuell-erotischen Sehnsüchten bis zu Herrschafts- und Gewaltphantasien, bringt sie wahlweise die private Rentenversicherung oder das Eis am Stiel an den Mann oder die Frau, bei denen sich nach dem Kaufrausch die Ernüchterung stets einstellt. Es ist unmöglich, das während 8 Stunden täglich gestohlene Leben durch Aneignung des Resultats, der Ware, zurückzuholen. Der als mündiger Konsument in die Feierabendfreiheit entlassene Kunde, der durch seine Nachfrage das Angebot bestimmen soll, kündet in Wahrheit davon, dass er der Angestellte der Waren bleibt. Er bestimmt weder direkt über die Art der produzierten Waren, noch bestimmt er die Bedingungen seines produktiven Lebens. Marktforschungsinstitute mögen seine verborgenen Wünsche aufspüren. Er kann sie jedoch nur kaufend verwirklichen, während dem Kapital alle diejenigen seiner Bedürfnisse am Arsch vorbeigehen, mit deren Hilfe es sich nicht Mehrwert aneignen kann. Was sich nicht zur Produktion von Mehrwert eignet, gibt es nicht. Oder weiß jemand, wo man als Lohnarbeiter Freiheit von der Lohnarbeit kaufen kann? Es gibt nur ähnliches, aber doch ganz anderes: Lottoscheine und Günther Jauch.
Als umweltbewegter Mittelschichtsangehöriger vom Fraport-Malocher, der täglich mit Leib und Seele für die Bourgeoisie anschaffen gehen muss, zu verlangen, er solle gegen den Flughafenausbau opponieren, seine paar Kröten im Bio-Markt ausgeben und auf seinen Urlaubsflug verzichten „wegen der Umwelt“, ist gleichermaßen aussichtslos und ignorant. Ausgerechnet diejenigen, auf die niemand Rücksicht nimmt, sollen Rücksicht üben. Moral – Verzicht – Aktionismus, darüber kommen die Anhänger des „Öko-Kapitalismus“ nicht hinaus. Es ist die Herrschaft der Warenproduktion, aus der die Schizophrenie der Menschen und die Paradoxie der Gesellschaft notwendig entspringen. Fahren die Arbeiter einer Autofabrik in Fahrgemeinschaften oder mit dem Bus zur Fabrik, schaden sie dem Absatz von Automobilen und damit ihrem eigenen Arbeitsplatz. Indem sie sich in der Konsumtion sparsam und ökologisch verhalten, schaden sie sich als Lohnarbeiter in der Produktion. Oder nehmen wir noch einmal die Beschäftigten am Frankfurter Flughafen. Sie wissen in der Regel, dass der Ausbau die Umwelt weiter zerstört und damit auch ihre Gesundheit. Für sie stellt sich unmittelbar die Frage: Lohnarbeitsplatz oder Umweltschutz? Und da ihre Existenz in dieser Gesellschaft nun einmal an der Lohnarbeit hängt, „entscheiden“ sie sich für den Ausbau. Der Gegensatz von Ökonomie und Ökologie ist ein falscher Gegensatz, aber ein realer in der kapitalistischen Gesellschaft. Auch die Befürworter der Südumgehung wissen, dass dadurch Wald abgeholzt und das Problem des wachsenden Verkehrs keinen Meter gelöst wird. Sie sind trotzdem dafür, weil der Lärmterror des Autoverkehrs sie krank macht. Klimakatastrophe ist morgen, heute ist endlich wieder ruhig schlafen. Die Politiker, die sich allesamt Sorgen um die Umwelt machen und doch seit Jahrzehnten Gewerbegebiete erweitern, Flughäfen ausbauen, Straßen durchs Land planieren: Sie sind nicht verrückt, sie sind Agenten und Profiteure eines verrückten Systems.

Doktorspiele am Krankenbett. Oder: Hackfleisch.
Die Herrschaft des Kapitals wird in der Regel nur als das was sie nicht ist, als Willkürherrschaft der Kapitalisten aufgefasst – und bleibt so unbegreifbar. Es ist ein kindisches, sich jedoch kritisch dünkendes Weltbild: Böse Menschen setzen sich zusammen und machen aus einer Charakterschwäche namens „Profitgier“ die Welt kaputt. Von diesem falschen Standpunkt aus ertönt der Ruf nach dem Staat, der die durchgedrehten Manager und „Heuschrecken“ zur Vernunft bringen soll. Er soll Ökologie erzwingen, ohne dem Kapitalismus dabei in die Quere zu kommen. Aber der Staat lebt von ihm. Es ist so banal wie richtig: „Brummt“ die Wirtschaft nicht, macht der Staat nur Schulden. Dann ist es aus mit Sozialpolitik, Ökologie, Bildung und Demokratie, dann heißt es Reformieren bis es kracht. Auch der ehrlichste Öko-Minister kann nicht mit Rezession und unendlicher Verschuldung regieren. Manche Linke meinen, man müsse die Kapitalisten nur zu Zugeständnissen zwingen. Umso schneller lernen sie, wenn sie im Amt sind. Aus der „armseligen“ Existenz des Staates entspringt die seelenlose Armut noch der besten Politik und des aufrichtigsten Politikers. Ihr Herz für die Ökologie schlägt nur so lange – oder erst, wenn sie in der Politik (noch) nichts (mehr) zu sagen haben: „Die Grünen“, so lange sie nicht an der Regierung waren, der ehemalige Umweltminister Töpfer (CDU) seit er als Umweltclown für die Uno unterwegs war oder eben der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore, nachdem er nichts mehr zu entscheiden hat. Es ist dies kein Versagen der Personen, auch wenn es hier wie überall besonders widerliche Exemplare gibt. Es zeigt nur, dass ein Regierender ebenso wie die Kapital-Manager außerhalb seines Amtes etwas anderes ist als innerhalb. Nach Feierabend kauft er ein Jahres-Los der Aktion Mensch und als Rentner entdeckt er das Klima für sich. Aber im wirklich wahren Leben kleben sie höchstens neue Öko-Etiketten auf alte Schweinereien.
Die angebotenen politischen „Lösungen“ sind entweder schlechte Scherze oder barbarisch. Im besten Fall helfen sie nicht weiter, weil sie sich innerhalb der kapitalistischen Warenproduktion und damit innerhalb der Ursachen des Problems bewegen. Nehmen wir zum Beispiel die fabelhafte „Ökosteuer“: Nicht nur, dass damit die Ärmeren von einem Stück „Freiheit“ ausgeschlossen werden während die Bonzen weiterhin lustig zu Jeep und Benz greifen, nicht nur, dass mit Rücksicht auf den „Standort“ für die Industrie haufenweise Ausnahmeregelungen gelten. Die Regierung selbst hat nun ein Interesse an möglichst hohem Benzinverbrauch. Wenn das vorgeschobene Ziel, eine Senkung des Benzinverbrauchs, erreicht worden wäre, dann hätte das eine steuerpolitische Katastrophe bedeutet, weil die Einnahmen aus der „Ökosteuer“ dann ebenso gesunken wären. Die Ökosteuer bewirkte vor allem das, was hinter der Öko-Fassade ihr wirklicher Zweck war: Die Steuern und Abgaben für das Kapital zu senken und die Kosten dafür der Masse der Lohnabhängigen aufzubürden. Ein weiterer Geniestreich ist der Handel mit „Emissionsrechten“. Wenn´s nicht hinhaut und die Kosten fürs Kapital zu hoch werden, erhöht man einfach die „Rechte“ und alles ist wieder paletti. So macht man es seit Jahrzehnten mit den diversen Grenzwerten für Ozon, Feinstaub, Kohlendioxid etc. Wahlweise lässt man den Grenzwert einfach mal Grenzwert sein, setzt ihn nach oben oder schafft ihn gleich ganz ab. So geht es dem Grenzwert, dem Bannwald und dem Naturschutzgebiet – das Kapital duldet keine Götter neben sich. Alle die kapitalistische Warenproduktion voraussetzenden und sie bloß manipulierenden Mittel sind für den ausgerufenen „Kampf gegen die Klimakatastrophe“ von vorneherein untauglich. Das Öko-Kamel geht nicht durchs Nadelöhr – außer als Hackfleisch.

Jeder kann was tun. Oder: Jesus würde ALG II beziehen.
Individuelle Lösungen – von „öfter mal zu Fuß gehen“ bis zum Verzicht auf den Urlaubsflug, von Solaranlage bis Ökotomaten – sind an individuelle Lebensumstände gebunden. Sie sind nur für Minderheiten umsetzbar weil sie die allgemeinen Lebensumstände unberührt lassen. Und wenn die Bahn- und Buslinie dichtgemacht wird, dann kann es dafür keine individuelle Lösung geben. Verzicht und ökologischer Einkauf sind Scheinlösungen, denn die Menschen sind im Kapitalismus nicht Käufer und Verkäufer sondern Käufer und Verkäufer als Lohnarbeiter und Kapitalisten. Als solche haben sie ein existenzielles Interesse am destruktiven Lauf der kapitalistischen Produktion. Die Kapitalisten müssen akkumulieren wollen, dafür sorgt die Konkurrenz. Die Lohnarbeiter müssen wollen, dass das Kapital akkumuliert und sie zu diesem Zweck kauft. Man sieht: Zwei Seelen wohnen ach’ in jeder Brust und die Kapitalseele triumphiert über die Ökologenseele. Die „Öko-Ideologie“, die von den gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen und ihrer kapitalistischen Form nichts weiß und nichts wissen will, wird schnell menschenfeindlich. Sie identifiziert kapitalistische Produktion mit menschlicher Produktion überhaupt. Folglich kann bei ihr die Menschheit nur eine Zukunft haben, wenn die Individuen verzichten, den Gürtel aus ökologischen Gründen enger schnallen. Zum Ideal gerät der barfüßige ALG II -Empfänger, der sein paar Kröten in den teuren Öko-Supermarkt trägt. Die „Öko-Ideologie“ will nicht ein zerstörerisches Produktionsverhältnis revolutionieren, sondern opfert menschliche Bedürfnisse der Aufrechterhaltung des ökologisch an seine Grenzen stoßenden Kapitalismus. Wenn das Kamel nicht durch das Nadelöhr passt, muss es ins Fitnessstudio und wird auf Diät gesetzt.

Klima und Klasse. Oder: Plan B.
Was unterscheidet die verschiedenen Klassen in ihrer Sorge um das Klima? Die Kapitalisten können sich, soweit das mit Geld möglich ist, den unschönen „Dreck“ halbwegs vom Hals halten. Sie kaufen sich die besten Ärzte und Medikamente, die grünen Inseln der Ozeane und Kontinente, eine heile Welt hinter Stacheldraht, im Atombunker und unter der Sauerstoffglocke. Das ist der Plan B der herrschenden Klassen. Sie können mit ihrem Geld das Problem nicht lösen, denn sie verdienen es, indem sie – wie jede andere herrschende Klasse – dem Arbeiterheer Mehrarbeit abpressen und dabei zugleich die Erde verwüsten. Aber sie gehen als letzte unter. Zurück bleiben ein paar Milliarden Gelackmeierte. Diejenigen, die die Luxusvillen und – Hotels errichten, müssen seit fünftausend Jahren draußen bleiben, während manchem Hund der Zutritt gestattet wird. Dort draußen versuchen sie dann, ein paar andere Elende hinter sich zu lassen. Das macht das eigene Leben nicht besser – aber auf perverse Art erträglicher. Getrennt nach Herkunft, Hautfarbe, Pass, Qualifikation und Einkommen rangelt man sich um die billigen Plätze. Der Rest von einigen Hundert Millionen verreckt in Afrika, ohne auch nur die Zäune und Abschiebelager der europäischen Menschenrechtsfreunde zu erreichen. Für sie ist kein Plan B vorgesehen. Die ganze Welt spaltet sich also in zwei feindliche Lager. Das eine will, dass die Welt so bleibt wie sie ist. Das andere muss die Umwälzung der Totalität der bestehenden Gesellschaft wollen. Wer nicht alles will, wird nichts bekommen.

Last Exit
Heute mehr denn je zeigt sich, dass die ökologischen Probleme nicht mit „Ein-Punkt-Bewegungen“ gelöst werden können. Alle nur politischen Bewegungen sind zum Scheitern verurteilt. Nur wer die Umwälzung der Totalität der Gesellschaft anpeilt, und deren Zentrum ist das Produktionsverhältnis, kann überhaupt Erfolg haben. Entweder wir wollen Alles oder wir bekommen und bleiben Nichts. Es ist die Wirklichkeit, die alle diejenigen, die sich mit Zustand und Zukunft von Mensch und Natur beschäftigen, immer energischer auf die Frage der Form der Ökonomie stößt. Das Problem ist immer weniger, dass den Leuten ihre Umwelt oder ihre Gesundheit gleichgültig wären, sondern dass sie innerhalb der bestehenden ökonomisch-gesellschaftlichen Verhältnisse keine andere Wahl haben, als tendenziell die Erde und sich selbst zu zerstören. Diese Zwänge werden gesehen, jedoch nicht als bestimmtes System durchschaut. Die Umweltschutzbewegung ist als bloße Umweltschutzbewegung, d.h. wenn sie das nicht begreift, den Menschen nicht voraus, sondern hinkt hinter ihnen her und ist zum wirkungslosen Moralisieren verdammt. Sie glaubt immer noch, dass die Leute sich nicht gegen die Umweltzerstörung wehren, weil sie davon noch nichts gehört haben oder weil es ihnen egal ist. Vor einigen Wochen kursierte eine E-Mail, in der mit allem sittlichen Ernst dazu aufgefordert wurde, am 1. Februar den Strom für fünf Minuten abzuschalten, „nicht nur um Energie zu sparen, sondern besonders, um die Bevölkerung, die Medien und Politiker auf die tägliche Energieverschwendung aufmerksam zu machen.“ Hat sie’s ihnen gesagt und machen die Leute trotzdem weiter, erfolgt in aller Regel der Absturz in den Pessimismus oder in die verschiedenen Formen der esoterischen Verdrängung der Wirklichkeit („positiv denken!“). Ihnen gilt das Leid, sei es das eigene oder das der anderen, als bloß eingebildetes Leid, als falsches Denken. Oder sie reden es klein. Dem Pessimisten wird die Menschheit schnell vom Objekt seiner Aufklärungsarbeit zum Objekt seiner Verachtung. Welcher politisch Aktive hat sich nicht schon einmal gedacht: „Sie werden´s nicht lernen! Sie sind’s auch gar nicht wert. Ihr könnt’ mich alle mal.“? Das ist normal. Schlimm sind nur die, die hier stehen bleiben, denn ihr Pessimismus wird zur Menschenverachtung. So lassen sie sich von der Zerstörung, die die kapitalistische Produktion anrichtet, selbst zerstören.
Es ist nicht das mangelnde Wissen um die drohende Gefahr, es ist der Mangel am Begreifen ihrer Ursache und die Ahnung von der UNGEHEUERLICHKEIT und der Größe der Aufgabe, nämlich die gesamte Gesellschaft, weltweit, von der Ökonomie ausgehend, TOTAL umzuwälzen. Machen Sie den Test. Kaum sagt man ein paar vernünftige Worte, so ist jemand mit einem „Was? Dann müsste man ja ALLES verändern“ zur Stelle. Man sieht: Die Welt kennt schon das Problem einer Sache, die sie nur noch begreifen muss, um sie verändern zu können.

Hier spricht das Kamel:
Ich bin nichts und sollte alles sein – weg mit dem Nadelöhr!

Wenn ihr den Zwang zu Wachstum nicht wollt, wollt ihr dann zurück in die Steinzeit? Diese Frage wird sofort dem gestellt, der bekannt gibt, die kapitalistische Produktionsweise aufheben zu wollen. Wir können die so Fragenden beruhigen. Wir wollen keinen „Öko-Asketismus“ für den jeder Atemzug eine „Belastung für Mutter Natur“ ist, kein „Zurück in die Vergangenheit“ angeblich freundlicher und warmer, in Wahrheit primitiver, enger und roher Dorfgemeinschaften, sondern eine Weltgesellschaft, in der zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit, die Menschen dazu in der Lage wären, BEWUSST UND FREI DARÜBER ZU ENTSCHEIDEN, wer was wie produziert und konsumiert. Das wäre er endlich einmal, der achso unmögliche Communismus. Dass der erste groß angelegte Versuch an der kulturellen, politischen und ökonomischen Unterentwicklung der daran beteiligten Länder, den Illusionen und Fehlern der Revolutionäre und der Übermacht des kapitalistischen Lagers scheiterte, zeigt nur, dass er schon damals ohne die fortgeschrittensten Gesellschaften und ohne weltweite Verwirklichung unmöglich war.

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3 Antworten auf „Geht das Öko-Kamel durchs Nadelöhr?“


  1. 1 erich 27. Februar 2007 um 10:54 Uhr

    Särr gutt,
    *******, dies jednfalls gehörrt nich zu den
    „itiologischen Diffärenzn“

  2. 2 Antifa-55 05. Juli 2008 um 18:31 Uhr

    Sehr guter Text, Wertkritik auf den Punkt gebracht. Aber auf welche Art trampeln wir jetzt den Ökoheinis vom Kelsterbacher Wald mit diesen einfachen Wahrheiten auf den nerven rum?
    „Ran an den Mann“, heraus zur Agitation und Aufklärung kann ich da nur sagen!
    Werde die Blogadresse weitergeben, habe ne kollegin die mit einem von diesen Waldfreunden zusammenwohnt. Hartes Stück Arbeit liegt hinter mir und ein hartes Stück Arbeit vor mir, mit diesen Schwestern im deformierten Zeitgeist.

    Waldmanns Heil

  3. 3 Erich Richter 19. Juni 2009 um 8:57 Uhr

    Ja,ja, – der Communismus mit „C“ tut in den Augen der „anderen“
    nicht ganz so weh. Gut geschrieben (wenn auch zu lang) aber ihr
    bekommt das nicht hin ! Der Kapitalismus sitzt schon zu fest in den
    Köpfen aller. In Wirklichkeit geht es „uns“ hier im Lande zu gut !
    Man sieht es z.B. an der Wahlbeteiligung und den Ergebnissen für
    „Die Linke“. Die meisten HartzIV-Empfänger sind rundrum zu bequem
    überhaupt zur Wahl zu gehen ! Da fehlt der wirkliche Wille etwas verändern zu wollen. Was kann ich „daran“ machen ? „Die“ machen doch
    sowieso was sie wollen ! Da kann man wählen wen man will…usw.
    Und dann diese Ökopolitik, welche von 90% Zurückführung der C02-Werte
    bis 2050 spricht. Da kommen einem die Tränen und dann kommt das durch, was ihr in eurem Bericht beschrieben habt. Ich sage es einmal
    auf ein Wort -Rückführung ins Mittelalter- !
    Statt die Kanzlerin bezüglich Ihres C02-Wahns und ihren daraus resul-
    tierenden Verworrenheiten zu atakieren, steigt man mit in dieses
    Traumboot in Richtung USA (Obama) Ja,sie will mit ihrer C02-Hyphe die
    EU festigen (Lissabonvertrag) – Obama gewinnen – und in diesem Sinne
    einen weltweiten (milliardenschweren) Emissionshandel in die Wege leiten. Das ist alles weit weg vom Communismus und wird „so“ noch
    weiter wegerückt. Keine 8% traue ich „Die Linke“ für den 27.9. zu !
    Gruss Erich richter – rheinbreitbach

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