13 years left.

13 years left.

Straight to the point

Die UNO gibt der Menschheit noch 13 Jahre Zeit, um eine Klimakatastrophe abzuwenden. Let´s come straight to the point: Wenn der Kapitalismus bleibt, dann wird das Klima an den Arsch gehen, was immer auch sonst noch passieren mag. Es ist hier nicht der Ort, die Funktionsweise des Kapitalismus in allen Details wissenschaftlich darzulegen. Es können nur die wesentlichen Konsequenzen und Zusammenhänge in Bezug auf die Ökologie dargestellt werden und anhand einiger bekannter Tatsachen erläutert werden. Allen Interessierten ist unbedingt die Lektüre von Karl Marx empfohlen.
Mancher wird in diesem Text über Ausdrücke und Begriffe stolpern, die ihm nicht passen. Jeder sollte sich aber überlegen, was ihm wichtiger ist: Ein paar unpopuläre Worte, oder die katastrophalen Tatsachen dieser Welt. Allen, die ohnehin nur nach Gründen suchen, um so weiter zu machen wie bisher, wünschen wir viel Spaß beim nächsten Film.

I. Warum es keinen Öko-Kapitalismus geben wird

1. Eine kapitalistische Gesellschaft kann auf Dauer nur existieren, wenn die Produktion ständig gesteigert wird. Das weiß jeder, der in ihr lebt. Der Grund ist einfach. Sollte es kein Wachstum geben, sorgt der technische Fortschritt dafür, dass die Zahl der Arbeitslosen einerseits unaufhörlich wächst, andererseits die Profite auf eine Rate sinken, bei der die Produktion ganz eingestellt wird. Dann sind die Lohnarbeiter ebenso am Arsch wie die Kapitalisten selbst.
- Für das Verhältnis von Produktionssteigerung und Natur im Kapitalismus bedeutet das: Es muss unter allen Umständen eine Produktionssteigerung stattfinden, egal ob damit die Natur und der Mensch dabei kaputt gehen. Solange die Arbeiter Lohnarbeiter sind, also nicht mit eigenen Produktionsmitteln arbeiten, müssen alle aufgrund ihres unmittelbar existentiellen Interesses diese Zerstörungen wollen. Denn alle hängen direkt oder indirekt von der funktionierenden kapitalistischen Ökonomie ab. Welche Unterschiede es zwischen den Parteien, Verbänden, Gewerkschaften etc. auch gibt: Wachstum wollen alle. Sie haben im Kapitalismus keine andere Wahl. Da dieses prozentuale Wachstum auf stets größerer Basis stattfindet, wächst auch der Naturverbrauch exponentiell. Die nächstliegenden, einfachsten Maßnahmen zur Begrenzung der Klimazerstörung: Beschränkung der Produktion allgemein, drastische Reduzierung der besonders schädlichen Verkehrsmittel PKW/LKW, Flugzeug und Hochgeschwindigkeitszug, Arbeitszeitverkürzung, Umverteilung des vorhandenen Reichtums, können im Kapitalismus nicht einmal ernsthaft diskutiert, geschweige denn verwirklicht werden.
Ökologie-Kampagnen nehmen daher die Form von Werbekampagnen zum Kauf neuer Waren an. Das Problem soll kaufend gelöst werden. Die neuesten Autos, die neuesten Haushaltsgeräte, die neuesten Flugzeuge. Dabei wird einerseits verschwiegen, dass die Produktion dieser vielen neuen Waren bereits ein ökologisches Problem darstellt, und sich auch der größte Teil der Arbeiterklasse mitnichten die stets neuen Waren leisten kann, andererseits, dass die durch den Betrieb der gewachsenden Warenmasse verursachten Schäden die technischen Fortschritte meist überkompensiert. Der Verweis auf die technischen Lösungen bedeutet schließlich nichts anderes als „weiter so“, eine systemkonforme Ablenkung und blinde Hoffnung. Denkt nicht nach, kauft mehr ein!

2. Im Kapitalismus gehören die Produktionsmittel (also die dinglichen Vorraussetzungen der Produktion) einigen wenigen Menschen: Der Kapitalistenklasse. Für diese gibt es kein anderes Motiv zur Produktion als auf diesem „Umweg“ ihren (Geld-)Reichtum zu vergrößern. Sonst würde man erwarten, dass sie ihr Geld verschenken. Das kann man von niemandem verlangen und kann überdies als System nicht funktionieren. Es wird also nicht produziert weil der Mensch essen, trinken, wohnen, studieren, Kunst genießen, spielen, reisen, etc. will und/oder muss. Es wird nicht wegen dieser Gebrauchswerte produziert, sondern weil sich das Kapital nur auf dem Umweg der Produktion verwertet, d.h. nur durch real stattfindende Lohnarbeit Mehrwert (Profit) erzeugt wird. Folglich wird nicht nach Maßgabe des individuell und gesellschaftlich nützlichen und vernünftigen produziert, sondern es werden umgekehrt alle Schwächen, Ängste, Bedürfnisse und Hoffnungen des Menschen wie er geht und steht vom Kapital in den Dienst der Produktion überhaupt gestellt, um irgendetwas so viel wie irgendwie möglich zu produzieren und es mit allen Mitteln zu verkaufen.
- Für das Verhältnis der kapitalistisch produzierten Gebrauchswerte zur Natur bedeutet das, dass im Kapitalismus zwangsläufig alles Mögliche produziert wird, ohne Rücksicht auf die ökologischen und sozialen Folgen. Der Vernünftigkeit des Konsums steht nicht nur eine milliardenschwere Werbe-, Lock-, und Ideologieindustrie entgegen, sondern vor allem die Zerstörung der Menschen selbst durch die vielfach brutalen Lebensumstände. Diese Abstumpfung kann durch nichts anderes beseitigt werden als durch eine umfassende und radikale Veränderung all der Verhältnisse, die einen Menschen maßgeblich prägen (Wohn-, Arbeits-, Bildungsverhältnisse und vieles mehr). Der Kapitalismus bringt immer wieder die gegenteilige Entwicklung: Die immer stärkere Polarisierung in allen Bereichen, die relative Verarmung, Entmenschung und Ausgrenzung eines wachsenden Teils der Gesellschaft. Nur unter besondern historischen Bedingungen wie z.B. in der BRD nach dem 2. Weltkrieg kann diese Tendenz gemildert, nie aber prinzipiell gestoppt oder umgekehrt werden. Den umsichtigen, informierten und vernünftigen Konsumenten gibt es im Kapitalismus immer nur als individuelle Ausnahme, als Produkt von Ausnahmebedingungen.

3. Kapitalismus bedeutet Konkurrenz. So sehr er auch der Nutznießer des Systems ist, so zwingt sie auch den einzelnen Kapitalisten zu beständiger Erhöhung der Produktivität, allgemein zeitsparender Produktion und zu möglichst niedrigen Löhnen. Wer nicht mitmacht geht Pleite. Was also einerseits im Interesse der Kapitalisten ist, ist zugleich ein objektiver Zwang gegenüber jedem einzelnen Kapitalisten. Was sie wollen, müssen sie auch. Also wird alles, was die Produktion verteuert und Konkurrenznachteile bringt, im Kapitalismus in 99 von 100 Fällen nicht umgesetzt.
- Das heißt für jede Hoffnung auf eine allgemein ökologische Produktion im Kapitalismus: In welchem Umfang bei der unmittelbaren Produktion und in der Konsumtion die Natur zerstört wird, hängt in erster Linie vom Ausmaß der Konkurrenz, dem wissenschaftlich-technischen Entwicklungsniveau und vielen weiteren „zufälligen“ Umständen ab. Kurzfristig ist Naturzerstörung immer billiger als Naturerhalt. Ohne die grundsätzliche Beseitigung der ökonomischen Konkurrenz weltweit, wird auch die direkteste und gründlichste Naturzerstörung durch Raubbau, Vergiftung der Böden und des Wassers, Brandrodung etc. überall weitergehen, vor allem in den ärmsten Ländern. Und sie wird zunehmen mit der Ausbreitung der Industrie.

4. Je weiter und totaler sich die kapitalistische Produktion ausdehnt, mit jeder Privatisierung, mit jedem Eintritt eines ehemals „sozialistischen“ Landes in den Weltmarkt, werden diese Gesetze ebenfalls total. Es steigt der Druck, hier und jetzt konkurrenzfähig zu sein, billig und mit hohem Profit zu produzieren. Die Rücksicht auf langfristige Folgen wird in wachsendem Maße unmöglich.
- Die Folge für die Gegenwehr gegen die ökologisch verheerende Entwicklung ist, dass
die kleinste Veränderung zum Besseren innerhalb des Bestehenden zu einer Herkulesaufgabe wird. Die sich zunächst unabhängig und isoliert darstellenden Fragen: Ökologie, Zukunft der Arbeit (Massenarbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung), Generationenfrage (vom Renteneintrittsalter, den Rentenkürzungen bis zur perversen Frage, ob „wir uns die Alten noch leisten können“), Rassismus, Antisemitismus, Geschlechterverhältnisse, stoßen immer unmittelbarer auf ökonomische Zusammenhänge und werden daher immer mehr als Momente des Gesamtprozesses der kapitalistischen Produktion sichtbar. Nicht, dass der Kapitalismus für alles ursächlich wäre, aber er steht immer mehr notwendigen und auch gewünschten Veränderungen der Gesellschaft entgegen, verhindert ihre umfassende Verwirklichung! Jede Ein-Punkt-Bewegung ist mehr denn je zum Scheitern verurteilt. Entweder es wird alles anders, oder gar nichts. Das Kapitalverhältnis als übergreifendes Moment der gesellschaftlichen Totalität kann nur durch einen totalen Umsturz überwunden werden. Die Aneignung der großen (ihrem Charakter nach gesellschaftlichen) Produktionsmittel durch die Arbeitenden selbst, ist der archimedische Punkt, von dem allein aus die ganze alte Gesellschaft aus den Angeln gehoben werden kann.

5. Das Privateigentum an den Produktionsmitteln schließt gesellschaftliche Planung aus, es wird (außer innerhalb der jeweils einzelnen Konzerne) gegeneinander und nebeneinander gearbeitet und niemand weiß, was hinterher dabei herauskommt. Jeder muss seine momentane Einkommensquelle verteidigen, da die Gesellschaft ihm keine Alternative garantiert. So sehr daher in der einzelnen Fabrik rationalisiert wird, findet gesellschaftlich betrachtet eine grandiose Verschwendung statt. Die Wirklichkeit der „freien Wirtschaft“ ist die unfreie Gesellschaft. In dieser Freiheit setzen sich die im Resultat schädlichsten, aufwändigsten und irrationalsten Strukturen durch, wie z.B. der „Individualverkehr“, dessen „Überlegenheit“ sich in Smog, Klimakollaps, tagtäglichem Verkehrsstau und stundenlanger Parkplatzsuche verwirklicht. Das auf den vereinzelten Einzelnen reduzierte Individuum steht sich schließlich selbst im Weg, weil es eben nicht allein auf der Welt ist. Aber so lange es von den anderen durch das Privateigentum/die Konkurrenz getrennt ist, kann es sich gar nicht sehr viel anders verhalten. Die Entwicklung der Gesellschaft im Ganzen verläuft daher im Kapitalismus zerstörerisch und chaotisch. Eine langfristige, die ganze Gesellschaft einbeziehende Veränderung nach vorher bestimmten Zielen ist nicht möglich.
- Auf die schönen Zukunftspläne für eine ökologische Umgestaltung der kapitalistischen Gesellschaft darf man nicht hoffen: Alle grundsätzlichen Alternativen zur derzeitigen Gestalt des Güter- und Personenverkehrs, des Städtebaus, der so genannten Freizeit, der Hausarbeit, zur verschwenderischen Überproduktion, zur Verschwendung von Menschen und menschlichen Fähigkeiten, setzen die Möglichkeit der demokratischen Planung der gesellschaftlichen Produktion (Produktion im weitesten Sinne!) durch alle Gesellschaftsmitglieder voraus. Sie bleiben daher im Kapitalismus zwangsläufig eine Utopie.

II. Staat und Pipapo

So lange der Kapitalismus existiert, die Arbeitenden also nicht zugleich auch die Eigentümer ihrer gesellschaftlichen Produktionsmittel sind, so lange sind die obigen Gesetze Naturgesetze, die kein Staat, keine Gewerkschaft, keine Vereinbarung der Welt außer Kraft setzen kann. So lange sich die Menschen nicht gleichzeitig ein gutes Leben garantieren (und das ist nur bei demokratisch geplanter Produktion und Verteilung statt privat-anarchischem Produktions- und Verteilungskampf möglich), sind alle beschränkenden Gesetze und Vereinbarungen für einige immer auch eine existentielle Bedrohung, für andere zugleich ein Hemmnis für größeren Profit. Denn gleiche ökologische oder soziale Konkurrenzbedingungen setzen ja keineswegs die Konkurrenz an sich außer Kraft, noch bedeuten sie gleiche allgemeine Konkurrenzbedingungen. Diese sind viel umfassender. Wer z.B. technisch zurückliegt (und wo Konkurrenz herrscht, liegt immer einer zurück), muss dies durch größere Rücksichtslosigkeit beim Umgang mit Mensch und Natur wettmachen. Der Gegensatz von Ökologie und Ökonomie ist ein falscher, aber ein realer in der kapitalistischen Gesellschaft. Darum kommen internationale Umweltschutz- oder Sozialgesetze stets nur auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner zu Stande und werden ständig unterlaufen und missachtet. Umgekehrt: Die Regierungen versuchen sich gegenseitig ihre nationalen Besonderheiten im Hinblick auf die Ökologie aufzuzwingen, um diese so als Waffe in der Konkurrenz der nationalen Kapitale einzusetzen. Die deutsche Regierung fordert den Ausbau der Solartechnik in Europa. Das geht leicht von der Hand, weil Deutschland bei der Solartechnik führend ist. Diese Forderung ist für den Fordernden also noch ein Geschäft und hebt doch das ökologische Image. Frankreich, das statt Solaranlagen sparsamere Autos baut, fordert im Gegenzug die Reduzierung der europäischen Abgas-Grenzwerte. Und da das deutsche Kapital außer bei Solaranlagen auch führend beim Bau von Luxuskarossen mit einem Verbrauch von 15 bis 25 Litern ist, wirft sich die deutsche Regierung ganz selbstverständlich schützend vor diese Premium-Klimakiller.
Wenn Linke diese „Sachzwänge demaskieren“ wollen, weil sie sie für einen bloßen Vorwand zur Durchsetzung von Interessen halten, dann irren sie gewaltig und behaupten nebenbei das gerade Gegenteil dessen, was der von ihnen oft beanspruchte Marx gesagt hat. Es sind dies innerhalb des kapitalistischen Systems sehr wohl Sachzwänge. Die sind, wie der Begriff schon sagt, von moralischen Ansichten, von guten Absichten und allen guten Geistern unabhängig. Aber der Kapitalismus selbst ist keine Sache, sondern ein bestimmtes, historisch gewordenes Produktionsverhältnis und daher revolutionierbar. Es gibt kein Naturgesetz das verhindert, dass die Arbeitenden alles, was sie für ihren gesellschaftlichen Produktionsprozess benötigen, die Kraftwerke, Autofabriken, Büros, Flughäfen, Kinos, Eisenbahnen u.s.w. zu ihrem gemeinsamen Eigentum machen und nach Absprache und Abstimmung das produzieren, was sie und andere brauchen. Und was nach Lage der Dinge ökologisch vertretbar ist. Es gibt nur eine herrschende Klasse, die jeden Tag alles tut um genau das zu verhindern.
Es kann also – bei aller Berechtigung von Kämpfen für bessere Lebensbedingungen im Kapitalismus – die Antwort schließlich nur eine Kampfansage an die herrschenden Klassen zur Abschaffung des Kapitalismus, zur Abschaffung des Privateigentums an den Produktionsmitteln sein.
Wer das Gesagte für Ideologie hält, der soll doch seine Augen mal aufmachen: Es ist bekannt, dass der Flugverkehr aus ökologischen Gründen wenigstens halbiert werden müsste. Was passiert? Der Frankfurter Flughafen wird auf die doppelte Kapazität ausgebaut. Der Autoverkehr müsste um wenigstens 80% reduziert werden. Stattdessen werden neue Autobahnen gebaut und die deutsche Autoindustrie von allen Parteien mit allen Mitteln vor „Zumutungen“ wie einem popeligen Tempolimit oder ebenso popeligen Schadstoffgrenzwerten bewahrt. Davon gibt es tausend weitere Beispiele, und sie stehen jeden Tag in der Zeitung. Gibt es heute noch irgendein Thema von Bedeutung, bei dem nicht der Standort, die Wirtschaft, die Kosten, das Wachstum etc. den ganzen Hintergrund der Diskussion bilden? Die Fuzzies im Fernsehen beweisen es jeden Tag selbst: Jeder vernünftige Vorschlag scheitert an den Zwängen der Konkurrenz und der Anarchie des Marktes. Sie sagen ausnahmsweise die Wahrheit. Das, was dabei wirklich tabuisiert wird, sind nicht die Interessen oder die sozialen und ökologischen Folgen. Es ist das Privateigentum an den gesellschaftlichen Produktionsmitteln selbst. Aus diesem entspringen all die Zwänge, die Politiker, Wissenschaftler, Journalisten und Manager z. T. mit Bedauern und schlechtem Gewissen, z. T. begeistert, aber in jedem Fall unausweichlich exekutieren (und daran, dies aber nur nebenbei, nicht schlecht verdienen). Das Klimaproblem ist seit wenigstens 30 Jahren bekannt, die neuere Umweltschutzbewegung schon mehr als 30 Jahre alt. Der Umweltschutz ist seit 15 Jahren als Staatsziel der BRD ins Grundgesetz geschrieben, es gab und gibt rot-grüne Kommunal,- Landes,- und Bundesregierungen. Es tagten hunderte und tausende Fachleute und Politiker auf unzähligen Klimagipfeln, Foren, Workshops und Kommissionen von Kyoto bis Rio. Greenpeace hin, Öko-Supermarkt her – ladies and gentlemen, here are the results: Die Zerstörungen sind heute größer denn je, die Erderwärmung beschleunigt sich, das Ozonloch ist gigantisch. Das zu sehen reicht nicht. Es muss auch in seinem Zusammenhang begriffen werden, damit es verändert werden kann.
Ebenso wie eine rationale Verteilung der Arbeit (statt Überarbeitung und Massenarbeitslosigkeit) und eine rationale Verteilung des Reichtums (statt Privatjet und Hungertod) seit 200 Jahren an den Gesetzen der kapitalistischen Ökonomie scheitern, ebenso scheitert an ihr ein rationaler Umgang der Menschen mit der Natur und sich selbst. Noch einmal sei es gesagt: Wenn der Kapitalismus bleibt, dann wird das Klima an den Arsch gehen, was immer auch sonst noch passieren mag. „Capitalism is the real slim shady“, wer noch nicht Hirntod ist, kann das heute schneller begreifen als je zuvor.

III. Kommunismus

Der beliebteste und auch verständliche Einwand gegen den Kommunismus in ökologischer Hinsicht ist der, dass die ehemals sozialistischen Staaten keineswegs vorbildlich in ihrem Umgang mit der Natur waren. Es kommt dabei aber letztlich auf nur einen einzigen Punkt an: Ist die Zerstörung der Natur im Kommunismus ebenso zwangsläufig, ebenso im System verankert wie im Kapitalismus, oder nicht? Da der Kommunismus die bewusste, demokratische gesellschaftliche Planung der ganzen Produktion im Weltmaßstab ist, ist er das gerade Gegenteil eines unkontrollierten Zwangsverhältnisses der Menschen zu einander. Im Kommunismus lösen sich nicht alle Probleme in Luft auf, wird ein rationaler Umgang mit der Natur keineswegs ohne Anstrengung, Bewusstsein, (Selbst)Aufklärung möglich sein. Aber er ist prinzipiell möglich, wie er im Kapitalismus prinzipiell unmöglich ist. Das ist hier der alles entscheidende Unterschied. Und er ist sehr viel leichter zu verwirklichen, weil, ebenfalls im Gegensatz zum Kapitalismus, wo die gesellschaftliche Produktion von Gebrauchswerten der bewusste Zweck ist, die Zerstörung von natürlichen Gebrauchswerten keine Quelle von privatem Reichtum mehr sein kann.
Ein WeltKommunismus auf dem heutigen Stand der industriellen Technik, der Kommunikation, der Bildung, der weltweiten kulturellen und ökonomischen Beziehungen, hat alle Chancen. In Teilbereichen wird schon jetzt konkurrenzfrei international produziert. Aus Lust, Einsicht, Interesse, wie z.B. bei der Computersoftware Linux, dem Lexikon Wikipedia und vielem mehr. Aber so kann das im Kapitalismus nur in einigen Nischen funktionieren, dort, wo mit wenig Produktionsmitteln gearbeitet wird. Die Kapitalisten und ihre Lakaien können sich damit begnügen, die bisherigen, unvollkommenen Versuche zu denunzieren: Sie haben kein Interesse an anderen Verhältnissen. Alle anderen sollten diese Fehler nüchtern und grausam gründlich untersuchen – mit dem Ziel, einen neuen, besseren Versuch zu wagen. Entweder aus den Reihen der Lohnarbeiterklasse wird zusammen mit denjenigen, die sich ihnen anschließen, ein neuer Anlauf versucht, um den Kommunismus weltweit zu verwirklichen. Oder sie alle werden mit Vollgas in die Klimakatastrophe rauschen.


2 Antworten auf „13 years left.“


  1. 1 gk 28. April 2007 um 21:22 Uhr

    Hallo,

    mir gefällt besonders dieser Artikel gut, da er die Exklusivität progressiv-linken Denkens aufhebt und dieses nahezu jedermensch grundsätzlich zugänglich macht. Ob die Wortwahl und die Bebilderung sowie der Bloghoster für die Bekanntmachung der Sache, und die ist doch notwendig, das Beste ist, sei dahingestellt.

    Ich bin grundsätzlich Eurer Kapitalismuskritik zugeneigt, weil ich denke, dass der praktische Kapitalismus einen Menschen erzeugt, der konkurrenzorientiert-egozentrisch denkt, was den nötigen Umweltschutz unmöglich macht. Eure Argumentation kann ich allerdings nicht in allen Punkten nachvollziehen.

    Kernpunkt Eurer Argumenatation ist die Abhängigkeit des Kapitalismus vom Wirtschaftswachstum. Richtig ist wohl der Untergang der LohnarbeiterInnen; wenn kein Wert geschaffen wird, fließt auch kein Geld in die Taschen dieser. Doch muss deshalb notwendigerweise das gesamte System untergehen? Schließlich ist unsere Wirtschaft nicht mehr primär industriell, sondern fortschreitend dienstleisterisch fundiert. Auch ohne Wachstum wird also das Fortbestehen der Wirtschaftsordnung möglich. Oder? Insofern wäre auch die folgende These von der Macht derer, die die Produktionsmittel besitzen, hinfällig.
    Warum können denn grundsätzlich (!) im Kapitalismus die Maßnahmen der Einschränkung des Wachstums „[nicht] verwirklicht werden“?

    Liebe dialogfreudige Grüße
    gk

  2. 2 Administrator 30. April 2007 um 11:59 Uhr

    1.
    Die Exklusivität sog. linken Denkens kommt weniger daher, dass
    seine Vertreter alle einen Dachschaden haben, sondern daher, dass
    das Wesen der kapitalistischen Produktionsweise nicht erscheint.
    Um von der Erscheinung zum Wesen vorzustoßen muss man sich einer wissenschaftlichen Vorgehensweise bedienen. Dem Alltagsbewusstsein, das sich mehr oder weniger gänzlich auf der Erscheinungsebene bewegt, mögen die Erkenntnisse der Wissenschaft daher unverständlich erscheinen. Dass die oberflächlichen, der Erscheinungsebene verhafteten Erklärungen immer wieder in Sackgassen und zum Scheitern führen, könnte Anlass sein, die Erscheinungsebene zu verlassen.
    Wer auf das Scheitern damit reagiert, dass er sich neue Autoritäten sucht, die ihm neue vorgekaute Erklärungen in den Mund schieben, kann nicht zur Lösung beitragen.

    2.
    Deine „Kapitalismuskritik“ ist nicht unsere.
    Du machst aus unserer Erklärung von bestimmten gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen eine „konkurrenzorientiert-egozentrische“ Denkweise. Das Denken ist aber weder autonom, noch als bloßes Denken der Schlüssel zur Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise.
    Anders: Die „Welt“ ist nicht so wie sie ist, weil die Leute bloß „falsch“ oder „unmoralisch“ denken.
    Es kommt darauf an, dass Denken in seinem Zusammenhang zu analysieren. Es ist nicht einfach da, sondern Moment aller menschlichen Praxis, primär der durch die menschliche Konstitution bedingten Notwendigkeit der Vermittlung zwischen Mensch und außermenschlicher Natur durch Arbeit. Reißt man es aus diesem Zusammenhang heraus, wird es unerklärlich oder die Erklärungen werden mystisch.
    Das Bewußtsein hat, obwohl selbst Produkt der Widerspiegelung (nicht mit Abbild / Fotokopie zu verwechseln) eine sehr zentrale Rolle in der menschlichen Praxis. Alles, was wir tun, ist vor dem Tun ideell als gedankliche Zwecksetzung vorhanden. Gedanklich versuchen wir die jeweilige zu bearbeitende/behandelnde Wirklichkeit zu erkennen. Diese (zutreffende oder unzutreffende) Erkenntnis ist Grundlage unserer Entscheidungen. Die Wirklichkeit tritt an uns nicht als ein Reiz heran, auf den wir nur reflexartig reagieren müssen und vielleicht hinterher merken, was wir da getan haben, sondern als Spielraum (dessen Grenzen das bestimmen, was wir nicht tun können), innerhalb dessen wir unsere Entscheidungen bewusst treffen müssen.

    3. Warum Egozentrismus Umweltschutz unmöglich macht, sagst Du uns nicht. Dahinter steckt vermutlich ein dualistisches Verständnis von Mensch und Natur. Als sei der Mensch nicht auch ein (wenn auch ein besonderes) Stück Natur und daher auf den beständigen Stoffwechsel mit dieser angewiesen. Der Umweltschutz müsste doch im eigenen Interesse des Egoisten sein. Man sieht: Mit Egoismus und anderen Platitüden über die kapitalistische Produktionsweise kommt man nicht sehr weit.

    4. Kernpunkt unserer Argumentation ist in der Tat ein Zwang. Nämlich der Zwang unter Voraussetzung der kapitalistischen Produktionsweise Kapital akkumulieren zu müssen, was nur über extensive und intensive Ausweitung der Produktion geht. Vom Untergang der LohnarbeiterInnen sprechen wir nicht in dem Sinne, dass es das Proletariat als sozio-ökonomische Klasse bald nicht mehr geben wird. Im Gegenteil: Die Geschichte des Kapitalismus ist die Geschichte der Proletarisierung der Welt.
    Wenn, wie Du annimmst, kein Wert mehr geschaffen wird, dann gibt es auch keine kapitalistische Produktionsweise mehr. Automatisch geht die kapitalistische Produktionsweise nicht unter – auch wenn die Wert- und Mehrwertproduktion immer problematischer werden sollte.
    Wenn Du von „unserer Wirtschaft“ sprichst, dann meinst Du wohl die deutsche. Da es sich dann aber um eine Abstraktion aus dem Zusammenhang kapitalistische Weltproduktion und Weltmarkt handelt, muss sich die Sache notwendig verzerrt darstellen.
    Du meinst, dass Wert nur „industriell“ geschaffen werden kann, nicht durch „Dienstleistungen“. Das ist falsch. Überall, wo Gebrauchswerte als Waren produziert werden, die nicht mit der Formverwandlung des Arbeitsproduktes als Ware (klassisches Beispiel: Die Kassiererin im Supermarkt) zu tu haben (Tausch von Ware gegen Geld) oder die Eigentumsverhältnisse abgesichert werden (Staatsapparat, Militär, Polizei), werden Werte geschaffen. Wertproduktion hat nichts mit Äußerlichkeiten wie Fabrikschloten und Arbeitern in Blaumännern zu tun. Es handelt sich um ein Produktionsverhältnis.
    Betrachtet man die Weltökonomie statistisch sind die sog. Dienstleistungen auch gar nicht dominierend.

    Deine weiteren Ausführungen suggerieren, dass Dienstleistungen nicht kapitalistisch betrieben werden, daher nicht dem Zwang zur Akkumulation unterliegen. Auch das ist schon statistisch betrachtet falsch. In den großen Handelsketten etc. sind mehr Leute beschäftigt als Bereichen, in denen nicht-kapitalistische Warenproduktion betrieben wird (Tante-Emma Laden usw.). Letztere sind immer von den Bereichen der Produktion abhängig, in denen kapitalistische Warenproduktion betrieben wird. Ein Blick in die Statistiken genügt, um den Irrsinn der Behauptung, der Dienstleistungsbereich, der nicht-kapitalistisch sei und daher nicht dessen Dynamik unterlegen sein soll, zu erkennen. Wenn man Dich hier Ernst nimmt, dann haben wir kapitalistische Produktionsweise nur noch als Randphänomen und sind auf eine nicht-kapitalistische Warenproduktion zurückgefallen. Das hält keiner Empirie stand. Sie zeigt das genaue Gegenteil.

    Zur letzten Frage: Die Antwort steht in unseren beiden Texten.

    so weit ersteinmal
    fkwc

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